Samstag, 4. August 2012

Vorwort - Motivation und Bewerbung

Hallo und ein herzliches Willkommen, liebe Leser, auf meinem Blog!

Hiermit möchte ich all denjenigen Leuten, die mich durch das letzte Jahr und natürlich auch die Zeit vorher begleitet haben, einen Einblick in meine Pilotenausbildung bei der Lufthansa geben. Zwar liegt der Ausbildungsbeginn an sich noch in weiter Ferne, dennoch möchte ich die Möglichkeit nutzen, bevor es endlich losgeht, einen Überblick über meine Motivation, den Bewerbungsprozess an sich und so einige weitere interessante Dinge, die damit einhergehen, zu geben.
In diesem Sinne möchte ich mit der Motivation beginnen, die bei mir einen relativ frühen Ursprung hat. Angefangen hat das Ganze mit dem Simulatorfliegen meines Vaters, als ich selbst noch relativ jung war. Mit zunehmendem Alter durfte ich dann auch hin und wieder mal an den Computer, um ein wenig zu "fliegen" - vor dem Hintergrund meines Alters handelte es sich damals wohl eher um unkontrollierte Abstürze, aber nichtsdestotrotz war ich davon fasziniert, mit einem so kleinen Controller etwas so Großes steuern zu können, selbst, wenn es nur virtuell war... Mit einem Umzug in Kindertagen in die unmittelbare Nähe eines Sportflughafens hat sich dann auch die Motivation weiter entwickelt, spätestens, als ich selbst zum ersten Mal beim Tag der offenen Tür mitfliegen durfte. Von da an war ich dann nicht mehr zu bremsen, unbewusst reifte immer weiter der Wunsch, irgendwann einmal selbst ein Flugzeug steuern zu dürfen. Als mit der Oberstufe dann auch die Berufsorientierung immer mehr Einzug in unser Schülerleben gefunden hatte, waren wir natürlich dazu gezwungen, in uns zu gehen und uns wirklich einmal Gedanken dazu zu machen, was wir denn später einmal machen möchten. Von diesem Tag an reifte mein Entschluss, mich in den kommenden Jahren auf jeden Fall für eine Pilotenausbildung zu bewerben - schließlich bestand damit die Möglichkeit, nicht nur das Fliegen selber, sondern auch mein größtes Hobby, das Reisen, zum Beruf zu machen. Mit diesem Entschluss begann dann auch die eigentliche Recherche dazu, wo überhaupt eine Pilotenausbildung möglich sei, wie das Ganze aufgebaut ist und vor allem, was das Ganze überhaupt kostet.

Hier gibt es grundsätzlich erst einmal zwei verschiedene Varianten:

Zum einen existiert die wohl bessere und auch deutlich sicherere Variante, eine Pilotenausbildung in Kooperation mit einer Fluggesellschaft zu machen. Im deutschsprachigen Raum gibt es derzeit noch vier Fluggesellschaften, bei denen man sich unabhängig voneinander bewerben kann, da die Auswahlverfahren auch über vier verschiedene Anbieter betrieben werden. Diese vier Fluggesellschaften sind:

1. Lufthansa oder Austrian Airlines
2. Swiss
3. Air Berlin
4. Fly Niki

Der Vorteil einer Pilotenausbildung in Kooperation mit einer Fluggesellschaft ist ganz einfach der, dass man zumindest eine gewisse Aussicht auf Anstellung bei dieser Gesellschaft hat und häufig die Kosten der Ausbildung, die sich auf knapp 120000€ insgesamt belaufen, wovon der Schüler in der Regel 60000€ selber zu tragen hat, vorfinanziert werden.

Die andere Alternative wäre, die gesamte Ausbildung privat zu finanzieren und an einer Flugschule, wie beispielsweise der Intercockpit, der Flight Crew Academy oder der RWL, zu absolvieren. Hier müssen die gesamten Ausbildungskosten jedoch bereits während der Ausbildung bezahlt werden, sodass häufig ein Kredit aufgenommen werden muss und man bereits mit einem großen Berg an Schulden im Nacken auf Jobsuche geht - dass der Druck, die diversen Einstellungstests der Airlines zu bestehen, um auf eine Anstellung hoffen zu können, in dem Fall wesentlich größer ist, sollte selbstverständlich sein. Man geht also, sollte man diesen Weg einschlagen, ein enormes Risiko ein, letztendlich arbeitslos mit einer Menge an Schulden und häufig ohne einen alternativen Berufsabschluss auf der Straße zu sitzen. Inwieweit man dazu bereit ist, ein solches Risiko auf sich zu nehmen, das muss jeder für sich selbst entscheiden - ich wäre diesen Weg auf keinen Fall gegangen.

Vor diesem Hintergrund war mir sehr schnell klar, dass meine Priorität darauf liegen würde, mich zunächst einmal bei der Lufthansa zu bewerben. Gesagt, getan - noch an dem Tag, an dem mir mein Zeugnis 12.2 ausgehändigt wurde, fertigte ich die Online-Bewerbung für die Lufthansa an und schickte sie ab. Einen Tag später ging es dann bereits in Urlaub. Manch einer mag an dieser Stelle vielleicht kritisieren, dass das Ganze doch arg überstürzt wirkt - mein Hintergedanke war ganz einfach der, dass ich relativ früh, möglichst noch zu meiner aktiven Schulzeit, wissen wollte, wie es für mich nach der Schule weitergeht. Auch vor dem Hintergrund, dass meine Begeisterung für diesen Beruf in den vergangenen Jahren stets weiter zugenommen hat, war mir sehr schnell klar, dass ich einfach nicht mehr länger warten wollte. So kam es, dass während meines Urlaubs auf Sri Lanka ein Brief der Lufthansa seinen Weg in meinen Briefkasten fand, in dem mir der Eingang meiner Bewerbung bestätigt wurde. Eine Einladung zum ersten Eignungstest, der Berufsgrunduntersuchung sollte in absehbarer Zeit folgen.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs, in dem das Bewerbungsverfahren der Lufthansa kurz erklärt wird:

Grundsätzlich gliedert sich das Verfahren ab der Online-Bewerbung in drei verschiedene Testabschnitte:

1. Berufsgrunduntersuchung
2. Firmenqualifikation
3. Medical / Fliegerärztliche Tauglichkeitsüberprüfung

In der einen Tag dauernden Berufsgrunduntersuchung werden die Grundfertigkeiten, über die Pilotenanwärter verfügen sollten, überprüft. Hierzu gehören Mathematik, Physik, Englisch, Konzentrationsvermögen, Merkfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Mehrfachbelastung und sensomotorische Koordination. Für diesen Test bekommt man vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt Vorbereitungsmaterialien gestellt, mit denen man sich auf den Test vorbereiten kann. Ist diese erste Hürde gemeistert, so folgt der zweite Testabschnitt, die zweitägige Firmenqualifikation. Hier steht hauptsächlich die Persönlichkeit der Bewerber im Vordergrund. Diese wird anhand von Gruppenspielen, Streitgesprächen und einem Kooperationstest bewertet. Fällt dieser Teil des Tests positiv aus, so geht es am nächsten Tag in eine vereinfachte Form eines Flugsimulators, in dem fliegerische Grundfertigkeiten unter Beweis gestellt werden sollen. Sind auch diese zufriedenstellend, so folgt das abschließende Bewerbungsgespräch mit einem Auswahlkapitän der Lufthansa und zwei Psychologen. Wenn all diese Hürden erfolgreich gemeistert wurden, steht nur noch die fliegerärztliche Tauglichkeitsüberprüfung an, bevor es dann endlich heißt:

Herzlichen Glückwunsch und herzlich Willkommen bei der Deutschen Lufthansa!

In diesem Sinne beenden wir an dieser Stelle den kleinen Exkurs hierzu - die Einladung zur Berufsgrunduntersuchung lag gegen Ende der Sommerferien im Briefkasten, es sollte der 18. November 2011 werden, an dem ich in Hamburg zur ersten Runde antreten durfte. Wie es mir dort ergangen ist und wie meine Vorbereitung dafür aussah, das gibt es dann im nächsten Beitrag...

Kommentare:

  1. Hallo finde deinen Blog voll interessant, habe mich schon als FB bei Germanwings beworben kannst du mir bisschen erzählen wieviel Gehalt man da so bekommt.?

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  2. Grüß' dich. Bitte hab' Verständnis dafür, dass ich mich nicht öffentlich über Gehälter äußere - wenn du dich beworben hast, dann wird es dazu im Assessment eine Präsentation geben. Für das Bewerbungsverfahren wünsche ich dir jedoch viel Erfolg, ist 'ne tolle Zeit dort gewesen! ;)

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