Sonntag, 30. Juni 2013

Ein ganz normaler Tag auf der Kurzstrecke

Allzu lange ist der letzte Eintrag noch nicht her - trotzdem möchte ich Euch mal ein kleines Beispiel geben, wie sich eine Tagestour auf der Kurzstrecke so darstellt. Alles natürlich in Kurzform - ich fliege ja schließlich Kurzstrecke...

02:20 - Der Wecker klingelt. Schlaf aus den Augen reiben, mehr oder minder wach ins Bad stolpern, Dusche an - danach fühlt man sich wieder etwas fitter.

02:45 - Frühstückszeit. Zeit für ein paar Toasts und das Lebenselixier dieses Morgens - Eiskaffee!

03:15 - Rein in die Uniform. Hemd sauber und nicht zerknittert, Krawatte richten, Sakko sitzt - hab' ich jetzt alles?! Flight-Kit vollständig, Dienstausweis ans Sakko geheftet. Damit sind wir soweit "ausgehfertig".

03:30 - Pick-Up an der Haltestelle, eine Fahrgemeinschaft zu dieser Uhrzeit ist wahrlich ein Traum.

03:45 - Ankunft auf dem Mitarbeiterparkplatz am Flughafen Köln/Bonn. Schnell die 7 Sachen sortieren und auf zur Sicherheitskontrolle. Dort schnell durch den Detektor - kein Piepser heute?! - Warnweste rauskramen und ab zum Briefingraum.

04:00 - Check-In / Briefingbeginn für den Flug nach Heraklion. Im Briefingraum trifft man nun auf den Rest der Crew, sprich die Cockpitbesatzung, sowie den Kabinenchef / die Kabinenchefin und den zweiten Flugbegleiter / die zweite Flugbegleiterin. Es folgt eine kurze Vorstellung, sofern man sich noch nicht kennt, dann beginnt das Briefing. Nun werden Serviceabläufe, sicherheitsrelevante Aspekte, sowie Besonderheiten auf den anstehenden Flügen durchgesprochen, ebenso die Aufgabenverteilung der Kollegen im hinteren Bereich der Kabine. Im Anschluss folgen die Flugzeiten, sowie Besonderheiten zum Wetter seitens der Cockpitbesatzung und Details zum Zustand des Flugzeugs.

04:20 - Aufbruchsstimmung. Das Briefing ist beendet, nun geht es auf den Flieger. Die Maschine steht heute direkt vor den Crewräumen, keine 2 Minuten zu Fuß. An Bord werden nun die weiteren Flugvorbereitungen getroffen - Notfallausrüstung, Notfallbeleuchtung und Beladung überprüfen, sowie der Aufbau der Serviceboxen. Das Ganze muss entsprechend zügig erfolgen, da knapp 10 Minuten später das Boarding beginnen soll. Da wir heute ein gut eingespieltes Team sind, geht alles recht schnell und leicht von der Hand - schon bald heißt es "Ready for boarding!"

04:30 - Boarding. Von 150 Plätzen sind heute knapp 140 belegt. Gut, dass wir über 2 Treppen boarden können und nicht bloß über die Fluggastbrücke - das beschleunigt das Ganze etwas. Knapp 20 Minuten später sitzt alles, der Treppenfahrer gibt mir einen Daumen, das war's - Türen zu!

04:55 - Push-Back! Die Türen sind umgestellt, die Sicherheitseinweisung erfolgt durch uns. Sicherheitsgurt, Sauerstoffmaske, Schwimmweste und Sicherheitskarte, gefolgt von einem Kabinencheck, dann setzen auch wir uns hin. Ich melde uns bei der Kabinenchefin ab - "Cabin ready!"

05:05 - Take-Off! Auf geht's, der Sonne entgegen. Ein paar Minuten, in denen wir ein wenig aufatmen können, während wir durch die Wolken stoßen. Weiter geht es in Richtung Südosten.


05:15 - Die Anschnallzeichen gehen aus. Nun walten wir unseres Amtes, Kaffeemaschinen anwerfen, Trolleys aufbauen - alles fertig?! Rein ins Getümmel - der Service beginnt. Bei knapp 3 Stunden Flugzeit können wir es etwas ruhiger angehen lassen - hinzu kommt, dass der Großteil der Gäste bereits ins Land der Träume entwichen ist.

05:40 - Service abgeschlossen. Nun gilt es die Trolleys wieder zu verstauen und entsprechend alles abzubauen. Da die Bordküchen nicht allzu viel Platz bieten, zieht die Kollegin bereits mit dem Müllwagen los, während ich mich zügig um den Abbau kümmere.

05:50 - Fast alle Gäste schlafen nun. In diesem Zustand möchten wir natürlich Niemanden wieder aus dem Schlaf reißen und so legen auch wir nun eine Pause ein. Zeit für ein zweites Frühstück und Gespräche unter Kollegen - auch die Zeit für einen Besuch im Cockpit bleibt. Zwischendurch immer mal ein Gang durch die Kabine, ob noch alles in Ordnung ist, oder ob noch Jemand irgendwelche weiteren Wünsche hat.

07:20 - Wir verlassen unsere Reiseflughöhe. In Kürze gehen auch die Anschnallzeichen wieder an, sodass wir nun die Kabine für die Landung vorbereiten. Es folgt die Ansage der Kabinenchefin, woraufhin wir uns auf den Weg durch die Kabine machen und checken, ob das Handgepäck wieder dort ist, wo es sein soll, ob alle angeschnallt sind, alle Tische hochgeklappt wurden etc.

07:30 - Auch wir setzen uns nun hin für die Landung, wieder melde ich uns bei der Kabinenchefin ab. "Cabin Ready!"

07:35 - Das Fahrwerk wird ausgefahren, die Ausgangsbeleuchtung geht an. Die Aussicht ist grandios. Leere Sandstrände, türkises Wasser - hier würden wir gerne bleiben.

07:38 - Touchdown in Heraklion, Umkehrschub und abbremsen, dann rollen wir von der Piste auf den Rollweg. Kurioserweise müssen wir in Heraklion dafür sogar ein wenig bergauf fahren - das habe ich auch noch nicht erlebt.

07:45 - On Blocks in Heraklion. Knapp 5 Minuten später sind auch die Treppen am Flugzeug.


07:50 - Deboarding. Die Passagiere verlassen den Flieger, schnell geht die Kollegin checken, ob nichts liegen geblieben ist und auch die Schwimmwesten noch alle da sind - während sie vorne beginnt, komme ich ihr von hinten entgegen. Anschließend folgt die Vorbereitung der Kabine auf die neuen Passagiere - Gurte legen, Müll beseitigen, Sitztaschen ausstecken und schon wenig später heißt es "Ready for boarding!".

08:15 - Das Boarding beginnt, geplant sind knapp 125 Gäste. Warum dafür ganze 5 (!) Busse nötig sind, die nicht mal halb voll waren, habe ich nicht ganz nachvollziehen können, aber so konnte ich immerhin noch ein wenig die Sonne genießen.

09:05 - Nach einiger Zeit ist das Einsteigen beendet, die Türen werden geschlossen. Türen umstellen, die Triebwerke werden angelassen. Währenddessen beginnen wir wieder mit der Sicherheitseinweisung: Gurt, Sauerstoffmasken, Schwimmweste, Sicherheitskarte mit anschließendem Kabinencheck. "Cabin ready!"


09:15 - Take-Off und Steigflug! Durchatmen...

09:25 - Die Anschnallzeichen gehen aus, wir beginnen in aller Ruhe mit den Vorbereitungen für den Service. Kaffee aufschütten, Trolleys aufbauen und auf geht's! Dieses Mal sind deutlich mehr Leute wach, sodass der Service etwas länger dauert - umso besser bei mehr als 3 Stunden Flugzeit zurück.

10:00 - Wir sind durch mit dem Service. Während ich mich wieder um den Abbau der Trolleys und Boxen kümmere, schnappt sich die Kollegin erneut den Müllwagen. In der Zwischenzeit bereite ich die Serviceboxen neu auf für die Folgecrew und sortiere die übrig gebliebene Frischware ebenso für die Folgecrew aus. Schon ist die Kollegin wieder zurück, stellt den Müllwagen ab und unterstützt die Kabinenchefin beim Überprüfen unseres Bordverkaufstrolleys - nachdem auch ich soweit durch bin und die Kabinenchefin sich ins Cockpit verabschiedet, ziehen wir mit dem Bordverkauf durch.

10:55 - Nach ein paar verkauften Artikeln wird auch dieser Trolley wieder verstaut und wir gönnen uns eine Pause. Frühstück Teil 3, untermalt von ein paar interessanten Gesprächen mit den beiden Kolleginnen. Nachdem beide nun in dieser Pause auch schon mal die Aussicht im Cockpit genossen haben und noch immer knapp 1 Stunde Flugzeit bevorstand, zog auch ich mich für ein Weilchen in die Pilotenkanzel zurück.

12:05 - Die Anschnallzeichen gehen an. Noch knapp 15 Minuten bis zur Landung - es folgen die Landeansage, sowie der Kabinencheck, bevor auch wir uns hinsetzen und die Kabine abmelden.

12:20 - Touch-Down in Köln/Bonn, unsere Pilotin legt eine hervorragende Landung hin. Auch die Parkposition ist schnell erreicht, das Deboarding beginnt.

12:40 - Alle Gäste sind raus, nichts ist liegen geblieben. Also, Kabine herrichten für die Folgecrew, die auch schon den Flieger betritt - mit dabei ist ein Kurskollege, den ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Großes Hallo! Knapp 10 Minuten später ist alles fertig, wir verabschieden uns von der neuen Crew und ziehen los in den Feierabend.







13:00 - Ab ins Auto, zusammen mit der Kollegin mache ich mich auf den Heimweg.

13:20 - Daheim! 11 Stunden nach dem Klingeln des Weckers habe ich es geschafft - trotz des frühen Aufstehens bin ich nun hellwach, der Rest des Tages will genutzt werden, schließlich habe ich nun Dienstschluss, bevor es dann morgen auf nach Lissabon geht - dann allerdings zum ersten Mal mit dem Konzept der "neuen" Germanwings. Lassen wir uns überraschen. Bis zum nächsten Mal!

P.S.: Bei dieser Textlänge müsste ich ja eigentlich Langstrecke fliegen...

Kommentare:

  1. Sehr sehr interessant und gut geschrieben! Halt uns weiter auf dem Laufenden vor allem was sich bei der neuen Germanwings so alles ändert würde mich interessieren :) Fotos sind natürlich auch immer gern gesehen! Mal so aus Interesse, auf einer Skala von 1 bis 10 wie stressig würdest du den Kurzstreckenalltag momentan beschreiben? Wie schauts aus mit OFF-Tagen, ist das vergleichbar mit den Pilotendienstplänen? LG Joshi

    AntwortenLöschen
  2. Also, fangen wir doch mal an:

    Der Flug nach Heraklion liegt auf 'ner Stressskala von 1 bis 10 bei etwa 3. Anders sieht das natürlich aus, wenn du Doppelt-Zürich hast - da kann man getrost 'ne 8 geben. Kommt immer darauf an, wie die Flugzeiten sind. Je länger, desto entspannter.
    Off-Tage sind, soweit ich das überblicke, vergleichbar.

    LG

    AntwortenLöschen
  3. Hey cool, danke für die Antwort! Daraus folgere ich, dass bei den meisten jungen Flugbegleitern ohne Kinder die Langstrecke ziemlich begehrt ist, oder? Wie lang dauert das in etwa bis man von Kurz auf Langstrecke wechseln kann? Gut, du müsstest natürlich erstmal zur Passage wechseln, wäre das sehr aufwändig? Kann man als FB auch bestimmte Ziele "requesten" wie bei den Kollegen Verkehrsflugzeugführern? Was mich auch noch interessieren würde, wie schaut es momentan stimmungsmäßig aus bei euch Flugbegleitern, wo ja demnächst ein neuer Streik anstehen soll?
    Sorry für das Fragenbombardement ;D
    LG joshi

    AntwortenLöschen
  4. Langstrecke wäre schon cool - ein Wechsel jedoch ist ausgeschlossen, du musst dich dann separat bei der Passage bewerben, den Grundkurs durchlaufen etc.
    Ziele requesten ist überhaupt kein Problem, kannst grundsätzlich alles requesten - von bevorzugten Schichten bis hin zu Partnerrequests etc.
    Was du letztendlich bekommst, ist natürlich Sache der Crewplanung.
    Was Letzteres angeht wird die Zeit schon zeigen, was los ist und was nicht...

    LG

    AntwortenLöschen