Dienstag, 29. Juli 2014

Destination Lufthansa

Die Hitzewelle über Bremen dämpft den Lerneifer an manchen Tagen beträchtlich. Selbstverständlich fällt es wesentlich schwerer, sich bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad Celsius an den Schreibtisch zu setzen und zumindest ein wenig Lerndisziplin zu wahren. Auch die Freude über den bestandenen Starter Course ist bereits verflogen - nach dem Lernen ist bekanntlich vor dem Lernen und der Starter Course war ein geradezu winziger Schritt im Vergleich zu den Prüfungen, die noch folgen werden. Dementsprechend hoch ist der Lernaufwand und entsprechend sinkt die Freude über stets neu ausgeteilte Skripte vor dem Hintergrund, dass all dieses "gebündelte" Wissen spätestens bis nächstes Jahr im September in unseren Köpfen verankert sein will.

Eine willkommene Abwechslung zum alltäglichen Lern- und Schultrott war die Veranstaltung letzte Woche unter dem Decknamen "Destination Lufthansa". Nicht nur, dass wir an diesem Tag etwas näher an das Unternehmen herangeführt werden sollten durch verschiedene Vorträge und dadurch gewährte Einblicke - auch unseren Kurspaten sollten wir an diesem Tag kennen lernen. Nach einigen einleitenden Worten seitens des Leiters der Nachwuchsgewinnung und Kapitän auf der A380 folgte die Vorstellung unseres Paten - einigen dürfte der Flugbetriebsleiter der Lufthansa Cargo ein Begriff sein. Sollte dies nicht der Fall sein, verweise ich an dieser Stelle einfach mal auf dieses Video von Pilotseye:


Doch wofür gibt es eigentlich einen Paten? Sven, aus dem 411. NFF, hat dies hier recht deutlich veranschaulicht, deshalb möchte ich das an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Grundsätzlich soll er uns als Verbindung oder Kontakt in den Flugbetrieb bei Fragen, Problemen oder Sonstigem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Warten wir mal ab, was die Zeit in dieser Hinsicht so mit sich bringt - auf Probleme allerdings wollen wir natürlich verzichten...

Inhaltliches Highlight dieses Tages war jedoch der dreistündige Vortrag eines ausgeschiedenen Personalchefs der Lufthansa, der praktisch einen geschichtlichen Querschnitt der Lufthansa für uns vorbereitet hatte. 30 Grad ohne Klimaanlage nach dem Mittagessen und 3h Vortrag - klar, klingt erst einmal gar nicht so gut. Dachte ich mir jedenfalls auch, ich hatte begründete Zweifel an meiner Konzentrationsfähigkeit und da war ich sicherlich nicht der Einzige. Offensichtlich habe ich mich damit gewaltig getäuscht - ich hätte niemals gedacht, dass Geschichte tatsächlich in dieser Hinsicht doch interessant sein kann und auch nach 3h war das Interesse noch genauso hoch wie zu Beginn des Vortrages. Hut ab, hätte ich nicht gedacht! Spricht für einen guten Vortrag.

Zum krönenden Abschluss des Tages wurde dann samt Kurspaten, Theorieleiter, dem Ex-Personalchef und unserem Rekrutierungsleiter zu einem gemeinsamen Abendessen in der Bremer Altstadt eingeladen. Ein Abend, den wir alle sicherlich genossen haben - nicht nur wegen des guten Essens. Auch das Ausbrechen aus dem sonst so alltäglichen Lernalltags hat uns allen mal gut getan. Uns allen sollte an diesem Tag noch einmal klar geworden sein, warum wir eigentlich bei Lufthansa fliegen wollen - einem Unternehmen, welches seit der Gründungszeit bereits durch einige Krisen gegangen ist. Erfolgreich, wohlgemerkt - im Gegensatz zu so vielen Firmen, denen in den letzten Jahren das Wasser immer mehr bis zum Hals gestiegen ist. Uns allen wurde an diesem Tag nach knapp 2 Monaten an der Schule noch einmal ein richtiger Motivationsschub gegeben. Ein Schub, der sicherlich den ein oder anderen wieder aus einem Motivationstief, welches durch diverse Seiten und Berge an Skripten geschaffen wurde, herausgeholt wurde. Genau aus diesem Grunde ist die Veranstaltung bewusst auf diesen Zeitpunkt gelegt - ein Zeitpunkt, an dem es an der Schule schon einen gewissen Gewöhnungseffekt gegeben hat und Normalität eingekehrt ist. Ein Zeitpunkt, an dem die Begeisterung langsam auf ein normales Maß zurückgeht und der Lerneifer nachlässt...

Dieser Tag dürfte uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben, schloss er am Ende doch mit der Frage:

"Warum wollen Sie eigentlich Piloten werden?"

"Weil es einfach der beste Job auf der Welt ist!" 

folgte aus der letzten Reihe von unserem Kurspaten und er hat absolut Recht. Wir alle haben dieses eine, lohnende Ziel vor Augen: einen Cockpitarbeitsplatz im Lufthansa-Konzern - dieses Ziel ist die Arbeit und Mühen, die noch vor uns liegen, ganz sicher mehr als wert!

Mittwoch, 25. Juni 2014

Auf zu neuen Ufern

Der Startercourse ist vorbei und bestanden - kurzfristige Erleichterung machte sich breit, als die Ergebnisse feststanden. Die nächste Prüfung steht somit vorausichtlich erst in 2-3 Monaten an, wenn es um die ICAO-Sprachprüfung geht, darauf folgend dann das erste von zwei Funksprechzeugnissen. Von da an ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu den ersten internen Prüfungen, mit denen wir unsere erste Theoriephase abschließen werden.
Klingt grundsätzlich erst einmal so, als wäre dies alles noch in weiter Ferne und das Leben würde etwas ruhiger werden - weit gefehlt! Natürlich ist es nicht so, dass uns die nächste Prüfung unmittelbar im Nacken sitzt, dennoch wird die Stoffmenge und -komplexität von Tag zu Tag größer.
Aktuell haben wir 6 verschiedene Fächer parallel, während wir zu Startercourse-Zeiten bei gerade einmal 3 waren. In kürzester Zeit wuchs der Themenbereich auf das Doppelte und auch das Arbeitspensum nimmt im Vergleich zum Starter Course eher noch zu. Derzeit widmen wir uns (meistens!) voller Eifer den Fächern Luftrecht, Elektrotechnik, Human Performance, Meteorologie, General Navigation & Aerodynamik.


Jeder arbeitet und lernt, wie wir ja bereits in Human Performance gelernt haben, auf seine Weise - dementsprechend gestaltet sich natürlich auch immer der persönliche Lernaufwand. Während die einen sämtliche Inhalte sich noch einmal zusammenfassen und damit lernen, erstellen andere sich Karteikarten zum Lernen oder beschäftigen sich direkt mit dem offiziellen Trainingsprogramm - hier muss und wird sicher noch jeder ein wenig experimentieren, bis wir alle "unseren" Weg gefunden haben, wie wir am besten mit diesem Pensum klarkommen. Der Startercourse war sicherlich an dieser Stelle für den ein oder anderen ein guter Fingerzeig.
Thematisch am interessantesten ist für mich persönlich derzeit Aerodynamik (Principles of Flight), wo der fachliche Bezug zur späteren Tätigkeit am deutlichsten wird. Grundsätzlich gilt es hier zu beantworten, warum ein Flugzeug fliegt, wie es am besten fliegt und Ähnliches. Diese Grundsatzfragen sind allerdings gar nicht so einfach oder gar eindeutig zu beantworten:

" Here we are, 100 years after the Wright brothers, and there are people who give different answers to that question," said Dr. John D. Anderson Jr., the curator for aerodynamics at the Smithsonian National Air and Space Museum in Washington.

Zufriedenstellend ist dies für einige sicher nicht, wir alle werden später ein Verkehrsflugzeug steuern, doch warum dieses Flugzeug tatsächlich fliegt, kann keiner von uns eindeutig und fehlerfrei erklären. Sicherlich sind auch wir von einigen Theorien mal mehr, mal weniger überzeugt. Vielleicht hilft auch eine Prise davon?
Abgesehen davon gab es letzte Woche noch etwas zu feiern - seit dem letzten Donnerstag sind wir auch nicht mehr der jüngste Kurs an der Schule. Es galt den 414. NFF gebührend zu empfangen, herzlich Willkommen in Bremen, Jungs und Mädels! Auch der nächste Kurs, der 415. NFF, wird sich in Kürze die Ehre geben - nächste Woche ist es bereits so weit, es wird langsam wieder voller an der Schule. Die Zeit vergeht hier wahrlich wie im Fluge, kaum zu glauben, dass wir schon längst mehr als 1 Monat hier verbracht haben... Kommt wahrscheinlich daher, dass kaum Zeit für Langeweile bleibt und wir alle mehr als gut ausgelastet sind - Zeit für den ein oder anderen Volleyball- oder Fußballabend im Rahmen des Public Viewing bleibt uns dennoch. In diesem Sinne blicken wir gespannt auf morgen!


Donnerstag, 29. Mai 2014

Von der Kabine auf die Schulbank

Knapp 1 Monat nach meinem letzten Flug in der Kabine war er da - der große Tag, an dem es mit Koffern und Umzugskartons bepackt nach Bremen ging. Der Tag, auf den wir alle fast 2 Jahre gewartet haben, war nun zum Greifen nahe. In nur zwei Tagen sollte es losgehen, Kursbeginn des 413. Nachwuchsflugzeugführer-Lehrgangs an der LFT in Bremen.
Nach den ersten beiden Tagen, in denen die Einführung durch den Vorgängerkurs, sowie die Ausweisvergabe und einiges an organisatorischen Dingen auf dem Plan standen, folgte noch die Werftbesichtigung, bevor es ab Tag 3 bereits mit dem Unterrichtsstoff los gehen sollte.




Für die ersten 3-4 Wochen steht hauptsächlich der Starter Course mit jeweils 2 Blöcken pro Tag auf dem Plan, mit stets einem weiteren Unterrichtsfach, welches ein wenig Abwechslung zu den Starter Course Themen bieten soll. So hatten wir bisher neben den Grundlagen des Starter Course, zu denen vorrangig Mathematik und Physik gehören, noch ein paar Einheiten zu Electrics, Radio & Instruments (ERI), sowie Human Performances (HP).
Spätestens nach den ersten 30 Minuten im ersten Unterrichtsblock war jedem von uns schnell klar, dass die LFT nicht viel mit einer "normalen" Schule gemeinsam hat. Während in der Schule der Unterricht in der Regel gemächlich vor sich hin plätscherte, wird hier ein Arbeitstempo vorgelegt, welches manch einen erst einmal verunsichert. Jedem, natürlich auch der Lufthansa selber, ist klar, dass es hier weniger ein Problem mit der Tiefe des Unterrichtsstoffes geben wird, sondern vielmehr mit der Masse an Themen, die behandelt werden. Aus diesem Grunde gab es bereits zu Beginn eine Unterrichtseinheit, in der verschiedene Lernmethoden und Ähnliches erläutert und angeboten wurden, um sicherzustellen, dass jeder von uns einen Weg findet, mit der Stoffmenge fertig zu werden. Es wurde sehr schnell klar, dass großer Wert darauf gelegt wird, dass jeder von uns die entsprechenden Lernziele erreicht - sei es nun auf die eine oder andere Lernweise. Fakt ist natürlich auch, dass hier definitiv anders gelernt wird, als in der Schule: Statt "Aufsaugen und nach der Klausur vergessen" wird hier Wert darauf gelegt, dass eben nicht vergessen wird - Wiederholung sämtlicher Themen ist hier für jeden selbstverständlich, da die große Theorieprüfung am Ende sämtlichen Stoff von Tag 1 bis zum Ende abfragt. In der Summe ergibt dies einen Papierstapel von 1m Höhe, der bis nächstes Jahr im September beherrscht werden will.
Ein weiterer Unterschied zur Schule sind die Lehrer an sich: An der Schule sind diese vorrangig Pädagogen, erst dann folgt das "Fach-"Wissen, über welches diese verfügen (sollten) - an der LFT hingegen ist keiner der Dozenten tatsächlich ein Pädagoge. Jeder ist vielmehr Experte für seine jeweilige Fachrichtung. Während wir uns beispielsweise von einem Psychologen in Human Performance die menschlichen Leistungsgrenzen näher bringen lassen, unterrichten Ingenieure in Elektrotechnik, ehemalige Schiffskapitäne bringen uns die Navigation näher und die Meteorologen machen uns mit diversen Wetterphänomenen vertraut. Jeder dieser Lehrer ist mit vollstem Eifer dabei und man merkt, das diese Wissensvermittlung von eigener Begeisterung für das jeweilige Fach geprägt ist - ganz im Gegensatz zu manch einem "klassischen" Lehrer.
Auch, wenn es derzeit und auch in Zukunft natürlich eine Menge an Unterrichtsstoff zu bewältigen gibt, fehlt definitiv zumindest bei mir nicht der Spaß an der Sache. Sehr häufig folgen zur grauen Theorie direkte Anwendungsbeispiele aus der Praxis, die das ganze stets ein wenig anschaulicher und leichter verständlich machen. So kommt es in der Regel nicht vor, dass wir uns bei manchen Themen fragen "Wozu soll das gut sein?", wie es beispielsweise zu Schulzeiten der Fall war. Ich meine, ganz ehrlich - wer hat damals einen Sinn oder Anwendungsbereich aus dem Alltag für irgendwelche Integralrechnungen, Trigonometrie oder Ähnliches gesehen?! - Ich hab' jedenfalls nicht dazu gehört.
Für die nahe Zukunft steht für meinen Kurs nun die Vorbereitung auf den ersten Test, den Starter Course am 16.06. an - anschließend folgen bis zu den ersten Internen im November noch das Funksprechzeugnis, sowie ein Englischzertifikat, bevor es dann Mitte November in die USA gehen wird, wo wir das erste Mal selbst ein Flugzeug steuern werden. Mit diesem Bild vor Augen fällt das Lernen auch gar nicht so schwer - wir alle wissen, warum und wofür wir uns hier befinden und welches Ziel wir haben. Dies zu erreichen gilt es nun und derzeit sind wir eigentlich zumindest für den Starter Course auf gutem Wege.

Zum Abschluss noch ein kleiner Exkurs zu Human Performance:

"Was unterscheidet die LFT von einer "normalen" Schule oder Universität?"

Diese Frage galt es in der ersten Unterrichtseinheit zu beantworten. Die Quintessenz, die wir aus dieser Stunde mitgenommen haben, bezieht sich vor allem darauf, dass hier statt eines Konkurrenzkampfes vielmehr die Kollegialität im Vordergrund steht. Im Gegensatz zur Schule müssen wir uns hier nicht gegenüber anderen, sondern "nur" gegenüber der "Bestehenshürde" behaupten. Keiner muss das Gefühl haben, jemanden ausstechen zu müssen, um im Cockpit zu landen, da wir schließlich alle die Auswahltests bestanden haben. Wir alle verfolgen das selbe Ziel - irgendwann in einem Lufthansa-Cockpit Platz zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen für millionenschweres Gerät und hunderte von Menschen. Dafür werden wir ausgebildet und dafür setzen wir alles daran, um dieses Ziel zu erreichen, denn was sind wir?

Ein Team!

Sonntag, 30. März 2014

Das Ende rückt näher - Final duties

Die Zeit rast und dieses Gefühl liegt nicht nur an der heute erfolgten Zeitumstellung. Fast genau zwei Monate ist der letzte Beitrag schon alt, es wird also Zeit für etwas Neues.
Der Februar war von den freien Tagen her sehr großzügig geplant, sodass wir die Gelegenheit genutzt haben, schon einmal nach Bremen zu fahren und Wohnungen zu besichtigen. Neben 3 Wohnungen, von denen wir einer dann auch direkt zugesagt haben, haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, auch der LFT einen Besuch abzustatten.


  Genau 50 Tage sind es heute, bis ein Gang durch diese "heiligen Hallen" für uns zum Alltag wird - 50 Tage, die sicherlich wie im Fluge vergehen werden. Nicht nur dadurch, dass der April von den geplanten Destinationen her sehr ansprechend ist, sondern auch, weil noch 2,5 Wochen Urlaub anstehen, die natürlich genutzt werden wollen, bevor ich meinen Crewausweis vorerst wieder zurückgebe, um die Schulbank zu drücken - natürlich mit einem lohnenden Ziel vor Augen!



Zunächst geht es übermorgen für einen Spontan-Trip nach London, morgens hin, abends zurück - klingt verrückt, ist es sicherlich auch, aber es wird sicherlich unglaublich toll! Einfach mal wieder dem gewohnten Alltag entfliehen und von den Flugzeiten bot es sich geradezu an - mal davon abgesehen, dass da jemand noch nie in London war... Das will natürlich geändert werden.
Zurück aus London stehen dann noch 7 geplante Einsätze, sowie zwei Bereitschaftsdienste an, bevor es in den Urlaub und damit dann auch vorerst in den "Ruhestand" geht - urlaubsmäßig steht für die 2,5 Wochen eine Florida-Rundreise mit dem Mietwagen an.


Von Key West soll es dann gegen Ende über Naples zurück nach Orlando gehen und ab dort zurück nach Frankfurt. Mal sehen, wo es uns so am besten gefällt - spontan verlängern können wir ja an jedem dieser Orte, da bloß die Abflüge fix sind. Alles Andere wird drüben entschieden, gerade auf Miami und die Keys bin ich schon gespannt - lassen wir uns überraschen. So langsam aber sicher sind meine Tage in Köln mittlerweile gezählt, viele Dienste sind es bis zu meinem Ausscheiden jedenfalls nicht mehr. Bisher kann ich jedenfalls guten Gewissens sagen, dass ich meine Entscheidung in die Kabine zu gehen, um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen, definitiv keinen Tag bereut habe! Im Gegenteil, ich möchte diese Erfahrung nicht mehr missen - sie eröffnet völlig andere Perspektiven und eine ganz andere Wertschätzung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kabine seitens des Cockpitpersonals. Jeder, der das bisschen "Saft schubsen" geringschätzig abtut, sollte sich vielleicht mal fragen, welchen körperlichen und psychischen Belastungen die Kabinenbesatzungen tagtäglich ausgesetzt sind - seien es nun physische Belastungen wie Schichtdienst, die (tatsächlich!) verdammt schweren Trolleys, die im Steigflug von teilweise recht zierlichen Damen durch die Kabine gewuchtet werden oder eben die psychischen Aspekte, wie pöbelnde Gäste oder der Ärger, dem bei Verspätungen natürlich uns gegenüber Luft gemacht wird. Fakt ist: Die Flugbegleiter stehen immer und überall an der Front, ein bisschen mehr Wertschätzung und Respekt sind da durchaus wünschenswert! Diesen Respekt kann man natürlich noch besser entgegenbringen, wenn man weiß, wie der Hase hinter der Cockpittüre läuft und DAS habe ich in meiner Zeit hier definitiv gelernt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich also nun dem Ende meiner Arbeit in der Kabine entgegen - einerseits froh, dass nun endlich der Traum vom Pilotenberuf wahr wird, andererseits ist es natürlich auch schwer, Abschied zu nehmen. Weniger jetzt vom Beruf an sich, als vielmehr von den Kolleginnen und Kollegen, die ich im vergangenen Jahr liebgewonnen habe - Ihr seid Klasse! Nur wegen Euch fällt dieser Abschied am Ende doch so schwer - wer hätte das gedacht?! Dennoch ist es nun langsam an der Zeit, das Zepter weiterzureichen - neue Grundkurse werden fleißig geschult, sodass auf jeden Fall für (qualifizierte) Nachfolger gesorgt sein sollte.


Längere Berichte werden also nun bald aus Bremen folgen, auch, wenn ich den ein oder anderen kurzen Statusreport aus der Kabine vielleicht noch verewigen werde - versprochen wird in dieser Hinsicht allerdings vorerst nichts.
In diesem Sinne wird's jetzt erst mal Zeit für den nächsten Kaffee - Frühdienst und dann auch noch die Zeitumstellung sind GENAU (!) mein Ding und auch 4:20 Uhr Check-In für Palma morgen klingt mehr als verlockend...

Bis dahin! 

Samstag, 1. Februar 2014

Kündigung und Recurrent

Wie bereits im letzten Beitrag angekündigt, steht mittlerweile ein Kursstart für den 413. NFF (Nachwuchsflugzeugführerlehrgang) an der LFT (Lufthansa Flight Training) in Bremen fest - am 20.05.2014 geht es endlich los!

Mit dem Erhalt der Verträge beim 411. NFF, der als erster Kurs dieses Jahr in Bremen beginnen wird, hat die Durststrecke, die durch die Aussetzung der Schulung seit September 2012 hervorgerufen wurde, endlich ein Ende und eine neue Ära beginnt. Damit einher geht auch eine gewisse Endgültigkeit, mit der das Ende meiner Zeit bei Germanwings in der Kabine immer näher rückt. Bedingt durch die übliche Kündigungsfrist von 3 Monaten war es bei mir Mitte Januar so weit, dass ich meine Kündigung zum 30. April dieses Jahres eingereicht habe - die Kündigungsbestätigung kam wenige Tage später. Von nun bleiben mir also noch gut 3 Monate im Unternehmen, davon 2,5 im Fliegeralltag, da ich ab Mitte April noch 2 Wochen Urlaub habe, die genutzt werden wollen, bevor ich meinen Crewausweis vorerst zurückgebe. 

Die letzte Zeit hier in Köln will natürlich noch fleißig genutzt werden. So kam es, dass es Anfang Januar noch für 3 Tage nach London ging - gemeinsam mit meinem Mitbewohner und gleichzeitig auch Kurskollegen in Bremen, sowie meinem Bruder. Bei bestem Wetter haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt und 3 freie Tage für das "Sightseeing" in London genutzt - im Folgenden ein paar Bilder:












Das Hotel in Waterloo bot eine perfekte Ausgangslage, um London ausschließlich zu Fuß erkunden zu können - bei diesem Wetter natürlich herrlich! Dennoch haben wir es uns natürlich auch nicht nehmen lassen, am 2. Tag mal einen der typischen Londoner Busse zu testen...

Zurück aus London hielt die Arbeit jedoch wieder Einzug und es wurde munter geflogen - manchmal zumindest. Dank meinem großzügigen Dienstplan blieb mit 14 freien Tagen genügend Zeit für andere Dinge. Ende des Monats stand auch, wie im letzten Beitrag schon einmal angedeutet, mein Recurrent (= Training) an, welches meine Legalität für den fliegerischen Dienst aufrechterhalten sollte. Zwei Tage ging es wieder nach Köln-Gremberghoven ins Schulungszentrum der Germanwings, um die Verfahren für Erste Hilfe, Safety- & Emergency Procedures, Feuerbekämpfung und Crew Ressource Management noch einmal aufzufrischen. Am zweiten Tag stand der Test an, der sicherstellen sollte,
dass jeder in der Lage ist, dieses Wissen auch richtig anzuwenden. 80% Richtigkeit war die Hürde, die genommen werden musste, sofern man nicht für den fliegerischen Dienst gesperrt werden wollte, um nachzuarbeiten. Nach 30 Fragen im schriftlichen Teil und einem Evakuierungsszenario, welches wir natürlich auch erfolgreich gemeistert haben, war das Recurrent auch schon wieder vorbei und wir für ein weiteres Jahr "legal" - auch, wenn es bei mir natürlich nur noch 3 Monate sind. Das nächste Training dieser Art steht dann erst wieder an, wenn es irgendwann wieder in den Liniendienst zurück geht - dann natürlich mit 2 Streifen mehr als bisher. Bis dahin wird allerdings natürlich noch etwas Zeit vergehen, sodass der nächste große Schritt in nächster Zeit erst einmal die Vertragsunterzeichnung für die Pilotenschulung sein wird. In gut 3 Wochen dürfte es dann endlich so weit sein, sodass damit das Kapitel "Wartezeit" sich in großen Schritten dem Ende nähert. Dann steht auch wieder die nächste Wohnungssuche an, bevor es mit Sack und Pack in den hohen Norden nach Bremen geht, um wieder die Schulbank zu drücken.
Es bleibt also spannend - mal sehen, was die restliche Zeit bei Germanwings noch so mit sich bringt!

Freitag, 27. Dezember 2013

Bali, Dezember und Ausblick auf 2014

'n Abend zusammen,

ich hoffe, Ihr habt alle erholsame Weihnachtstage im Kreise der Familien und Liebsten verbracht! Auch ich habe die letzten Tage daheim genossen und bin auch bis dato noch verhältnismäßig viel geflogen, sodass ich jetzt erst dazu komme, wieder einmal zu bloggen. Es besteht jedenfalls mittlerweile großer Aufholbedarf, sodass ich nicht lange um den heißen Brei reden mag.

Mit dem letzten Post habe ich mich ja für zwei Wochen in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet. So kam es, dass ich am Nachmittag des 10. Novembers bereits auf dem Weg nach Frankfurt war, einen großen Koffer im Schlepptau. Gemeinsam mit einem guten Freund und Kollegen sollte es nach Bali gehen - zunächst von Frankfurt nach Singapur mit unserer lieben Konzernmutter und von dort aus weiter nach Denpasar auf Bali mit JetStar Asia. In Frankfurt angekommen konnte ich mir relativ schnell die Chance auf die Business-Class aus dem Kopf schlagen - ausgebucht! Tjoa, fliegen wir eben Economy - so ist das bei Standby-Tickets, aber auch kein Problem! Den Flug haben wir dann mit dem Lufthansa-Flaggschiff, der A380 angetreten:

 

Kurz und knapp: Ein sehr ruhiger Flug mit einer sehr netten Crew und das Flugzeug ist wirklich toll!

Angekommen in Singapur ging dann das Gerenne los - 1:10h von der Landung bis zum Start des Anschlussfluges hatten wir Zeit. Grundsätzlich kein Problem - das Problem bestand eher darin, dass wir die Flüge nicht als "Connecting Flights" buchen konnten. Übersetzt hieß das Ganze, dass wir erst einmal die Koffer in Empfang nehmen mussten, Einreiseprozedur in Singapur durchlaufen, Terminal wechseln, Gepäck wieder aufgeben, Ausreiseprozedur durchlaufen (übrigens sind die Blicke der Beamten dort sehr amüsant, wenn Einreisedatum = Ausreisedatum ist!) und dann noch einmal durch die Sicherheit. All dies in 1:10h zu absolvieren stellt wirklich ein anspruchsvolles Programm dar, vor allem, wenn man sich am Flughafen absolut gar nicht auskennt, aber hey - wir haben es tatsächlich geschafft!
Auf Bali wurden wir dann bereits am Flughafen erwartet und zu unserem Haus gebracht, was die nächsten zwei Wochen unsere Unterkunft werden sollte - Pool inklusive! Nach einem kurzen Abendessen sind wir dann mehr oder weniger erschlagen ins Bett gefallen. Am nächsten Tag standen morgens dann bereits zwei Kolleginnen bei uns vor der Türe, von denen wir wussten, dass sie auch etwa zur selben Zeit auf Bali sind - dass ihr Hotel dann nur gut 5 Minuten von uns entfernt lag, war natürlich dann ein glücklicher Zufall! Sämtliche Urlaubsdetails spare ich an dieser Stelle aus, das würde den Rahmen sprengen, also bloß die Kurzfassung unseres Programms:

Strand, Elefantenfarm, Tempelanlagen, City-Touren, ein 3-Tages-Ausflug nach Gili Travangan und der ein oder andere Shopping-Tag standen auf der Tagesordnung - in der Regel immer gemeinsam mit den Kolleginnen. Wir kannten uns übrigens vorher überhaupt nicht, beziehungsweise nur von der Flugzeugübergabe - durch den gemeinsamen Urlaub sind wir mittlerweile mehr als gute Freunde geworden. Im Folgenden ein paar Fotos von unserer Zeit auf Bali:













Wie immer bei solch einem Urlaub, war auch dieser zeitlich wirklich viel zu kurz. Es gab noch so viel, was man hätte unternehmen können und sehen wollen - dafür hätte es allerdings noch etwas mehr Zeit gebraucht. Es war jedenfalls ein wunderschöner Urlaub, der nicht zuletzt durch die Leute zu ebensolchem wurde - vielen Dank also an Daniel, Ada, Caro und Saskia! Besonderer Dank natürlich an Marko, der durch diverse Kontakte und Insider-Tipps einen Großteil dazu beigetragen hat! Ich verweise an dieser Stelle auch an seine Organisation GoBali, die Auslandssemester auf Bali an Studenten vermittelt - ich für meinen Teil kann nur betonen, dass Bali eine Reise mehr als wert ist. Sollte der ein oder andere sich also dafür interessieren, kann ich Euch das nur wärmstens empfehlen!

Aus dem Urlaub zurück ging es bereits zwei Tage später wieder an die Arbeit - der Plan für Dezember war auch bereits veröffentlicht. 1. und 2. Weihnachtstag geplant frei, wie ich es mir gewünscht hatte, Reserve an Heiligabend, Reserve an Silvester und alles andere war mir ja soweit erst einmal egal.
Ein paar Tage vor Weihnachten durfte ich dann erfahren, dass meine Hoffnungen auf einen freien Heiligabend im Kreis der Familie dahin waren - eine Kollegin fiel aus und ich durfte 1x nach Fuerteventura und zurück, 6:00 Uhr Check-In, geplanter Feierabend 17:00 Uhr. Nun gut, ändern konnte ich daran jetzt nicht wirklich was, auch, wenn meine Begeisterung sich verständlicherweise in Grenzen hielt - ich habe jedenfalls das Beste draus gemacht. Wenigstens konnte ich im Anschluss dennoch heimfahren, ohne großartig was vom Weihnachtsessen daheim zu verpassen. Nach 3 Tagen im Kreis der Familie ruft ab morgen dann jedoch wieder die Arbeit, 1x Griechenland und zurück - ich freu' mich jedenfalls schon, was zum Großteil an der Crew morgen liegt.

Mal sehen, was mich diese Woche noch so erwartet - 2 Reserven sind noch offen (30.12. und Silvester), Neujahr hingegen muss ich fliegen. Das war der Deal, da ich schließlich Weihnachten frei hatte - faire Sache für alle Beteiligten, denke ich!
Der Januar dürfte dann allerdings auch etwas ruhiger werden, 12 geplante Einsätze und 2 Tage Recurrent (Training) stehen an, zuzüglich zu 5 Reserven - mal schauen, was sich da noch ergibt. Für's erste bin ich mit dem Plan mehr als zufrieden, schließlich habe ich ausnahmslos alle Wünsche für meinen Plan erfüllt bekommen - danke, liebe Crewplanung!

Bis zum Kursstart bei Lufthansa sind es nun noch knapp 5 Monate, neuer Kursstart ist nun der 20.05.2014 - der Kurs mit 14 Männlein und einem Weiblein nun auch vollständig gefüllt. Daraus ergibt sich für mich, dass ich voraussichtlich zum 30.04. mein Fliegerdasein vorerst wieder aufgeben werde, wie ich es derzeit führe und fortan wieder die Schulbank drücken darf. Ich freue mich jedenfalls riesig darauf, auch, wenn die Zeit bei der Germanwings bisher wirklich eine Menge Spaß gemacht hat und sicherlich auch noch bis zum Ende hier Spaß machen wird! Ich möchte diese Erfahrung jedenfalls nicht mehr missen und empfehle jedem, der vor der Pilotenschulung Wartezeit hat, diese Erfahrung mitzunehmen - es lohnt sich!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern schon jetzt einen guten Übergang und ein erfolgreiches, neues Jahr 2014! Anregungen, Kritik und Lob sind selbstverständlich wie immer gerne gesehen!

Bis zum nächsten Mal!

Dominic

Donnerstag, 7. November 2013

Ich packe meinen Koffer...


...und nehme mit: Zahnbürste, Kamm, Duschgel & 10.000 weitere Dinge.

Wer kennt es noch aus der Schule? War das nicht ein tolles Spiel, um die Merkfähigkeit zu trainieren?
Apropos Koffer packen – DAS kann ich in letzter Zeit auch besonders gut. Nicht nur 1 Hotel darf ich mir von innen ansehen – gleich 3 an der Zahl sind es. Zunächst ging es Ende Oktober für 5 Tage auf die Außenstation Hamburg. Außenstation in dem Sinne, dass es nicht mein normaler Stationierungsort ist, sodass mir vor Ort ein Hotelzimmer gestellt werden muss. So kam es, dass ich mich nach ein paar Tagen in der Heimat mit gepacktem Koffer auf in den hohen Norden machte, um in Hamburg auszuhelfen. Natürlich nicht alleine – offenbar waren bis auf ein paar Leute alle Hamburger Kollegen ausgeflogen, sodass im Hotel quasi die halbe Firma anzutreffen war. Selbstverständlich im übertragenen Sinne – es war gut besucht.
Bedingt durch die Tatsache, dass mir für alle 5 Tage Spätdienst zugeteilt wurde, konnte ich lediglich die Zeit vormittags nutzen, um etwas zu unternehmen. Bereits im Vorfeld schloss ich mich also mit einem Kurskollegen kurz und wir vereinbarten eine Werksführung bei Airbus – wenn wir schon täglich mit deren Flugzeugen arbeiten, musste die Gelegenheit natürlich genutzt werden, um uns weiteres Hintergrundwissen anzueignen. Gesagt, getan – 1,5h Zugfahrt vom Flughafen bis zum Airbuswerk morgens um 7:00 Uhr sorgten dafür, dass der Kreislauf langsam wieder in Schwung kam. Dort angekommen ging es auch recht zügig los – quasi immer eine Handbreit von der Endmontagelinie der A320-Familie entfernt mit allerlei Erklärungen. Knapp 2,5 Stunden später ging es dann langsam wieder zurück in Richtung Flughafen – natürlich mit einem kurzen Zwischenstopp zum Mittagessen. 1x Wien und Return war dann noch angesagt, bevor unter diesen langen Tag auch ein Schlussstrich gesetzt werden konnte. Am nächsten Mittag ging es dann nach wohlverdientem Ausschlafen zurück nach Köln, wo erst einmal wieder ein paar freie Tage anstanden.
Seit heute jedoch bin ich wieder auf Weltreise – also mehr oder weniger.  Zunächst ging es von Köln 1x nach London und zurück, bevor das Proceeding (=Platzierung, dienstliches Reisen) nach Berlin anstand. Also wieder einmal mit Gepäck im Schlepptau unterwegs. Davon jedoch nicht genug – die heutige Nacht verbringe ich zwar unserer schönen Bundeshauptstadt, morgen jedoch geht es zunächst von hier aus nach Birmingham und zurück, bevor das nächste Proceeding ansteht. Es soll weiter nach Stuttgart gehen, ins Schwabenland. Auch dort darf ich dann eine Nacht verbringen, bevor es übermorgen von Stuttgart via Palma, Berlin und Frankfurt zurück nach Köln geht. Ihr seht, langweilig wird es mir bestimmt nicht – immerhin darf ich in 3 Tagen 3x den Koffer ein- und wieder auspacken. Klingt doch spaßig, oder?
Womöglich avanciere ich noch zum Hoteltester – 3 an der Zahl kann ich ja nun binnen kürzester Zeit selbst testen und für mich persönlich bewerten (Steigenberger, Radisson Blu & Mövenpick). Mal sehen, welches als Favorit aus diesem Rennen hervorgeht – frohes Rätselraten!
Bis zum nächsten Eintrag wird es voraussichtlich auch wieder etwas dauern – ab Sonntag geht es erst einmal für 2 Wochen in den wohlverdienten Urlaub. Bei dem Sau schönen Wetter kann man die Flucht ins Warme sicherlich nur schwer nachvollziehen... 
Womit wir wieder beim Eingangsthema wären - langsam habe ich den Bogen echt raus!

Auch an der Lufthansa-Front gibt es ebenfalls etwas Neues und vor allem Erfreuliches zu berichten: 120 Plätze werden nächstes Jahr angeboten – mich hat es in den 413. NFF verschlagen, der am 29.04.2014 an der LFT in Bremen beginnen wird! In Worte fassen kann man die Emotionen, die auf den lange herbeigesehnten Anruf folgten, wohl kaum – denkt Euch Euren Teil! Fakt ist: Bald geht es los! Man darf also weiter gespannt sein!